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Alfons darf erst mal kein Abi machen (Vater!, findet sogar des Buben Neigung für Bücher bedenklich). Ab nach London … erwähne ich mit einer gewissen Maliziösität, hab ich doch selber 2 Jahre auf den Fährten des Wortmagiers „St. Clair“ durchs millionenstädtische Wuchern herumschnüffelnd zugebracht (ach, wird manche/r jetzt die Augen rümpfen, deshalb das ewige Vergleichen) … aber eigentlich ein bio=grafischer Punkt, der maximal en passant Erwähnung findet: Mit gerade mal 3 x 5 Jahren, 3 x ¼ Jahr bei Weltstadtverwandten! Um ihm den Kopf recht zu rücken? ihn der Bücher zu entwurmen? und dabei ganz vielleicht nicht bedacht, dass Früchtchen Alfons Eindruckssaugfähigkeiten gleichbedeutend mit denen eines Schwamms und Sprießfreudigkeit von 15 (!) x knackfrische Frühlinge in sich vereint!!? Ein Wimmerl im tabellarischen Lebensabriss. Es folgt die Lehre als Handschuhmacher (Vater!) (vgl. den „Franz Kafka“ der Journalisten, Egon Kisch, Tuchmachersohn! Mittelständernde Werker im florierenden Geprängesektor „Staatmachen“ diese Väter; und hätten uns um ein Haar um die tintne und schreibmaschinene Blüte ihrer Brut gebracht!) Dann endlich nach der Jahrhundertwende der Absprung: gewinnt die Goldene Rose bei den Kölner Blumenfestspielen für eine Erzählung (ich braue bogig ob des gärtnerischen Sprungbrett zum literarischen Werden). Redakteur, Studium und beginnt zu reisen. Promoviert in Volkswirtschaft über das moderne Ausstellungswesen (1. Verbindung zur Messestadt) und lernt die Frankfurter Malerin Marie Henriette Steinhausen kennen (Nr. 2). Nur kurz (aber das sind so die Überrasch…gngngn beim Forschen: ) Mariens Vater Wilhelm, Maler mit Hang zu Bibelszenen und klassischer Antike, geht nach Aufs & Abs & echten Talsohlen familiengründend im Steinhausenhaus vor Anker. Und das ist Teil einer Künstlersiedlung (also we talk numbers here! trotz dieser Namen: ) den Oederweg hoch, unterhalb der Holzhausenoede, Wolfgangstraße (mittlerer Bezug zu JWG, immerhin!), Nachbar Hans Thoma, dochdoch!, 1880, in Frankfurt!. Marie hinterlässt damenhaft bescheiden (?!) wenig historischen Abdruck, oder liegts wo möglich am zünftigen Niederschreiben der Geschichtsheimer!

Wer e Frankforter Mädche oder Wittib gefreit hat, is dadorch Frankforter Berjer warn. E Ehr, die er sonst mit zwaadausend Gulde bezahle mußt. E Eigeplackter is er nadierlich immer gebliwwe, awwer er war for sich und sei Nachkomme milideerfrei, un des war aach was wert (hörtört!), gar ein weitrer Grund für die wahr+haftige Frankforterisierung des Alfons Paquet. Marie und er heirateten in der Paulskirche (Nr. 3 der sich nun häufenden Verbindungen zur Messestadt, jaja, und aufhören zu zählen. Paquet ist Frankfurt, auch wenn es das wieder zu entdecken gilt) und „nicht unerfolgreich“ (… ist mir jetzt einfach so rrrrr! ausgerutscht …).
Er schreibt für die Frankfurter – Adorno, Benjamin, Blei, Bloch, Brecht, Döblin, Edschmid, Feuchtwanger, Frisch, Heuss (alias Thomas Brackheim), Kästner, Editha Klipstein, Annette Kolb, die Manns, Remarque, Renn, Roth, Schickele, Anna Seghers, Unruh, Zuckmayer, Arnold, 2 x Zweig – Zeitung! Also allein das Aufnamen der schriftstellenden Mitarbeiter+innen (fällt doch auf bei der Schreibweise, dass Maskulinum dann „außen“ wäre!)! Schaffung einer liberalen, demokratisch sozialen Gesellschaft war die redaktionelle Maxime. Es gab keine (!) Chefredaktion. Alle Redaktionsmitglieder waren gleichberechtigt. Das Feuilleton war der Tummelplatz der Weimarer Geistschaffenden. Und dann doch ein Missbildung auf der historisch freien Zeitungsweste?: Carl Bosch = IG Farben „bewahrt“ die FZ Anfang der 1930er per Imprimatur (!!!!) GmbH vor der Pleite, 33 wird „gesäubert“ und dann halten sichs die Nazis als Feigenblatt der freien Meinungsäußerung vor, letzte Ausgabe Ende August 1943 und dennoch: Nur wer die Grabesstille des Dritten Reiches am eigenen Leib verspürt hat, wird ermessen können, was eine Gegenposition in der Öffentlichkeit für die geistigen Menschen in Deutschland bedeutet hat. Als die Frankfurter Zeitung in Deutschland eingestellt wurde, war es, als würde in einem halbdunklen Raum die letzte Kerze ausgeblasen. (den)

Die Entdeckung Alfons Paquets geht mit einer weitren Offenbarung für mich einher: Vor meinem geistigen Auge blicke ich eigentlich immer vom südlichen Mainufer her auf die Stadt, sodass selbst der Schau! mein Kai die Grenze vom Wortspiel zur Wirklichkeit durchbricht. Dort bleibt Paquet auch nach dem 1. Weltkriech als „freier Schriftsteller“ (!!; wieder so’n Fall für ne Regieanweisung: frei + Schriftsteller = contradictio inter paris, lies: eigentlich sollte zusammengehören, was nicht zusammen geh!hören! kann. Welcher Schrift+Steller (gell, das klingt jetzt nach Jagd, Wortgruben, Sinnfallen … (hier vielleicht hyänenhaftes blutiges Schmatzen) …) ist schon frei: [mhd. vrī, ahd. frī; in der germ. Rechtsordnung urspr. = zu den Lieben (= zur Sippe) gehörend (u. daher geschützt); eigtl. = lieb, erwünscht]?!!!!!?). Die Anfangsjahre der Weimarer Republik brauchte Paquet – wie der Historiker Rebentisch (welch evokahhhh!tiver Name: edles Nass auf gepflegter Holzplanke) bemerkt – zur Gedankenarbeit, um das welthistorische Erlebnis der proletarischen Revolution zu bewältigen und den eigenen Standort zu bestimmen. 1920 ist es soweit. Programm + Schrift: Der Rhein als Schicksal.
Wir nennen uns Rheinischer Dichterbund und tragen dabei das Wort rheinisch noch heute wie eine verwaschene Schleife, der etwas Lächerliches anhaftet. Aber wir wollen das Wort rheinisch mit einem neuen Inhalt füllen! Der Beitrag, den die Dichter zur Gestaltung des Rheinstromes, zur Form eines neuen Rheinlandes geben können, ist das Selbstbewußtsein, das sie wecken und die geistigen Bewegungen, der auch die Zweifelnden und Zögernden einmal folgen müssen. Wort-Paquet 1927. Aber Alfons brockt nicht nur rum, sein Rhein ist Vision, europäisch und völkerverbindend und er glaubt an die Jugendbewegung als Träger eines erneuerten, pazifistischen Deutschen Reichs, das in einem universalistischen Europa aufgehen wird. KultUr, dieses quasi aus dem Nichts menschende der Verstähhhdterung. Ich glotz ein wenig verdutzt über Alfons Europäer in den pappigen Main (vielleicht auch deshalb meine Vision nicht so rheinisch groß … andrerseits, hier am Schaumainkai stromts wie eh & je: Vater Main in n Vater Rhein. Jenu, wenn ich in die Braubach blickte …). Der Rhein als knotige Achse, um den sich ein reine Vision Europas dreht. Wenn aber die Ströme ihre Schicksalsbedeutung offenbaren, so sind sie Wegweiser; ihr Pfeil weist zum Weltmeere. Die Menschen und die Gedanken im Stromlande führt der Strom aus der Gefangenschaft des Landes in die Freiheit der Welt und verbindet sie mit dem Gesamtbild der Welt … diese Adern unsrer Gemeinwesen pulsen durch grenzenlose Menschenlandschaften, Wissen, Kühnheit, Würde und Mitgefühl legen an und verbreiten sich, legen befruchtet, vermählt und erneuert wieder ab, Liebe und Ehrlichkeit, Kunst und Humanitas blähen die Segel eines … doch das Brackwasser kräuselt, ich hab Sternchen vor den Augen, die zwölfen um ein denk mal!-großes € … ich kanns sehen, durch die Häuser durch!, da tankt im Lee des EZB-Towers Einer mit viel zu dickem Rucksack und überreifen Plastiktüten Sonnenprojektionen aus gläsernem Fassaden. Zu diesem Trugbild murmelt der träg Dahinwellende: Union = marketplace (hier hilft das doch ma mit dem Englisch) & Europa muss! (hier also nur das Hilfsverb, um den politischen Imperativ, den wir ja auch aus nationalem All+Tag kennen, herauszustreichen (wär schön, wenn die Betonung hier auf „streichen“ verschoben werden könnte) und muss ist natürlich = webbbewörb, wie das mal ein Engel+Sachse so schön nuschlig, brockig, fließend lippte: com (dot davor!) petition (sicher kein Bittgesuch).

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Mir vergällt es jetzt allmählich die Mainlust, denn auch für Paquet verdunkeln sich langsam die Gestirne. Zwar hat er sogar noch Stadtpolitik gemacht, mit Messedirektor Sutter und „Altstadtvater“ Lübbecke berät er OB Landmann und ich lese zum ersten Mal: Rhein-Main-Metropole, Neues Frankfurt. Er goethepreist auch noch fünf Jahre lang (dadurch: George, Schweitzer, Ziegler, Freud, Huch & Hauptmann). Doch „zunehmende finanzielle Schwierigkeiten im Zeichen der Weltwirtschaftskrise“ und die große Reise zum Fuffzigsten fällt aus. (Nunja, ich weiß, dass der/die verehrte Leser/in nicht unbedingt das finanzielle Desaster von Au!Toren ständig vorgeführt haben wollen, aber mich lässt das immer aufhorchen). Und dann – jedenfalls gemäß dieser mich gleichzeitig blöd+sinnig machenden Wortbiopsien – nicht mal 1 Jahr Zenit! (= Preußische Akademie der Künste), denn 1933 verweigert er die von Gottfried Benn entworfene Zustimmungserklärung zum neuen Regime und das bedeutete Austritt aus der Akademie, der Kuratoriumsposten beim Goethepreis: futsch!. Trotz dem bleibt er in Deutschland.
Paquet taucht sozusagen unter bei der Frankfurter: Stadtblatt (!!!!). Doch gleich+zeitig mit dem finanziellen Aufatmen: Geschichte, die er nicht überleben wird. Auch er ein wahrer Held: Herzschlag im Bombenkeller! Hört sich karikiert an? Nichts dergleichen! 1935 gestapot bis zum Herzleiden, gibt das tapfre Herz dieser kühnen Seele 44 auf. Zuviel? Das Ich-kann-nicht-mehr eines Zukunftsdeutschen (an Idealen der Weimarer Republik gemessen!)? Das Visionärsherz, das im Wechselbad der Geschichte (Gesichte?!) aufreißt, Keile ins Holz des Gemüts getrieben: sehen, wissen, verstehen, überlebenlebenleben … KNACK!!!? Was immer es gewesen ist, Alfons Paquet ist Einer jener, denen das Herz am offen Sichtlichen brach.

Meine Eltern lehrten mich, in der Welt zu sein, aber nicht von der Welt. Dieses Doppelte erlaubte mir eine Hinwendung zur Welt, die zuweilen hemmungsloser war als bei anderen. Aber sie gab mir auch einen Abstand zu ihr, der zuweilen notwendig ist, um zu sehen, daß sie nur ein paar Fetzen Land in riesigen Meeren ist, ein nur wenig gerunzelter Boden in einem Ozean von Luft, Höhe und Geist. Als Skizze zu einem Selbstbildnis finde ich das absolut Weg weisend.

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