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50° 6′ 42,5″ Nord. 8° 41′ 9,4″ Ost. Sumpf. Ein Werder im adrigen, alten Flussbett. Heiliger Hügel im Matsch. Irgendwann werden die Christen den Ort anzapfen, die Römer kommen, wirds Abend landen. Zweigerädert blicke ich vom Altkönig auf das graue Nadelkissen. Deutsche, Dresdner, EZB, Messe, der Spargel. Powertower für ewig sonnige Chefetagen. Pfähle durch die dicke Suppe ins Erdfleisch getrieben, Machtsündikate steifen himmelwärts. Der Dom zu niedrig fürs Inversionsgeschehen. Langsam melkt die Sonne das pralle Nebeleuter. Giebel, kleinre Zinnen schwuppen auf. Die Dacharmada ankert im ermatteten Herbstgrün zwischen Main und monte tauno. Da liegen sie: Schaluppen, Jollen, Barken, Kannu’fahn. Nussschaliges pullt, wriggt und paddelt bienig um die Großmasten herum. Windjammer im schluchtigen Straßen zwischen den stahlen und glasnen Orgelpfeifen. Hr. Gott wasserfarbt noch ein paar puttige Wolken in den Kalkputz der firmamentalen Vorstandssaaldecke. Zu Wasser, zu Land und durch die Luft wird Menschenmaterial herbeigeblecht, um dem Heil+gen Mammon zu dienen. Aus peripheren Herzen hochdruckt es ins Zentrum. Teeradern wummern, Eisen bahnt und rappelt voll. Ameisig gehts stockend zu den Einfallstraßen herein, verstopft kohortig die Ösen der Termitengänge. Es wird sich pfropfig durch die Flaschenhälse gedrückt und schon gurgelts hinein ins Tagesgeschäften. Väterchen Geh halt! saugt morgens hinein und Mammon spuckt abends wieder aus. Fast möchte ich mich wenden, wieder hinter der Höhe verschwinden und doch zieht es mich bang in die sich mir öffnende Ebene. Ich reife hinein, grobstolle über Schotterpisten hinunter ins Rhein+Main = Venusbecken, in dem Frankfurt der größte Schamfleck ist.

 

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Gesundes Klima, schöne Gegend, Annehmlichkeiten großer Städte, das naturhistorische Museum, besseres Schauspiel, Oper und Konzerte, mehr Engländer, bessere Kaffeehäuser, kein schlechtes Wasser … und ein besserer Zahnarzt schopenhauerte Dieser 1831 als er von Berlin nach Frankfurt zog. Ich chatte (genau!: urhesse) über die Felder. Verstraßte Wirtschaftswege, top für flüchtende 2radler – auch der Rückfall wird erleichtert. Mit gebeugtem Kreuz, leicht bergab, die A5 entlang (aus mir puffen bleiche Fahnen in den Fahrtwind), dann unter Blechlawinen durchgetaucht. Weißkirchen, NW-stadt. Ich welte als Wille und Vorstellung in Richtung Arthurs Bad Frankfurt am Main. Ginnheimer Spargel komm passt! + nadelt mich herein: quasi ein natürliches Gegengewicht zum in die Erde Hineinwesen des Hauptfriedhofs – der eine rechts, der andre links der Schädelstirn des Stadtgesichts (wächst also gen Himmel was Da! hin geht). Ich hebe ab und bekomme plötzlich einen wunderbaren Überblick: Von linker Backe (Zoo) schmisst sich der Alleenring auf Augenhöhe, legt sein schwarzes Band über die Glupscherchen und narbt bis rechte Wange (Messe) hinunter; das Heimige am Ring vorortet wildes Beethoven-Haar; Eschers- und Eckenheimer Landstraße treffen sich im Psst! unter der Frankenschädelnase; der Main biegt zwischen Ober- und Niederrad sein brühiges Gelipp ins Antlitz des Gemeinwesens; und Sachsenhausen kinnt ziegenbärtig mit adretter Locke West. Offenbach und Griesheim händen wie im Schreigemälde Munchs. Bienvenü! Ich grinse knöchern, versuch mir Fetzen der Mainhattan-Werdung zu vergegenwärtigen.

 

Hügel am Mainufer, eine Furt, aufm Dombuckl schon mal Jungsteinzeit, dann aber sicher die Römer, die gehn zurück übern Rhein, Funkstille, Geschichtsflaute, plötzlich (rund ein MA später) Kaiserpfalz, Franconovurd, Karl (doppelter Espresso in schlankes Glas geschäumte Milch) und dann bleibt Stadt auf dem historischen Plan und wird städter und städter: Mauern und Gräben, Reichstage und Kirchenversammlungen, auch die Staufer mauern: Altstadt. Friedrich II. privilegiert die Frankfurter Herbstmesse, es schöfft, schultheißt und vogt in der Reichsstadt. Ludwig der Bayer gibt der Frühlingsmesse statt und vermisst erstmalig Frankfurts Einfluss ins Umland (Verbot von Zöllen im Umkreis von 10 Stunden: zu Fuß? gekutscht? gejagt?). Die Stadt platzt = wächst: dornt und buscht von Warte zu Warte, belandwehrt sich. Was dann?
Goldene Bulle = Wahlstadt der deutschen Kaiser, Knoblauch = Münzrecht. Raubritter + Niederlagen (Also schlug der kleine Hauff den großen Hauff nieder. Das war nicht Wunder, denn der große Hauffe flohe und der kleine stritte. O Frankfurt! Frankfurt! Gedenke dieser Schlacht!). Haus Römer wird Rathaus, Kunst- und Gewerbeblühen, Buchdruck in Mainz, Buchmesse in F, Reformation zieht ein, gast=spielt sogar im Kaiserdom. Dann auch die ersten echten businessmen aus den nieder Landen, und aus Wucher, Betrug und verwahrlosten Wechselkursen entsteht die Frankfurter Börse. Torreiche Partie: Zünfte GEGEN städtische Privilegien, da trittbrettlt auch der Vinzenz und drauf stand Fettmilch + Pogrom. Aus dem Schmale Kalde geklügert wird im Dreißigjährigen vorzugsweise weiß geflaggt. Und dann ist auch mal für 100 Jahre waffe Ruh.

So ab Siebzehnhundert poppen erste Stars an den Bembelhimmel: Telemann (44 Passionen, 40 Opern, 600 Kantaten), 1749 *t Goethe, Mozart am lieb Frauenberg (4 Tage), s schillert im Nationaltheater und es wird ein Haufen gekrönt (wahr: Schein=Licht, daher der kraut&kartoffelne Hang zu üppigem Krönerei’nschauspiel, nur ma flux die tränenrührgen Einschaltquoten bei Charles&Di berück+sichtet!). In den sieben Jahren Krieg (Damit Schlesien preußisch bleibt!) gibts schon mal nen gallischen vor Geschmack. Messieurs Danton und Robespierre wollen nur eins: Guldenundfranken. Doch dann steht der Stadt das weiß Geflaggte mal wieder gut. Es Rhein bundet, nur um bald zu groß-her-zog-tumen: Hauptstadt. Boll Werke an Lagen Ring. Unds Deutsch bundet für die weiterhin Freie Stadt, und dann Bundes tagts, und J.W. aus Weimar tönt: ‘s ziemt der freien Stadt der freie Sinn, ziemts weiter auch zu glänzen, und das recht ochsen, wenn ich bitten darf.

 

So und dann: Christen und Juden, alle dürfen jetzt mal rechtens mit Ware handeln und Fabriken gründen. Kunst & Kapital, Geld & Geist auf main Metropolisch: Rothschild (Frankfurt, London, Paris, Wien … Neapel (ahja!)), Städel (Kunst horte Bankier), Senckenberg (Natur forsche der Arzt), List (Handel und Gewerbe vereint) und selbstredend Arthur S. Kurz bevor in der Paulskirche denn national fürn Jahr palavert wird, gibts noch des Frankfurder Add’ndat, also s bembelnde Hambachern, die Herrn Studenten mal wieder!: ne Hand voll überfällt die Polizeiwachen und die Bundesversammlung, rotzlöffelt und galgenstrickt und wird ausgemerzt (noch vorm März). In Frankfurt gehts kommunistisch & sozialistisch bewegt zum Montagskränzchen und der große Tag rückt näher, man solle die Schießerai in die Luft unterlaßn: Paulskirche im Herzen Frankfurts, im Herzen frankensteinigen Deutschlands, vorläufts GG, ach!, und es Schtädsche bleibd aach noch e paar Jaar audonom (kommen wir vielleicht später noch mal drauf) und danach wirds gar arg musspreußisch.
Abgetakelt schwubbert die Mainstadt, schaluppiert im Hessen-Nassau-Tümpel, Hauptstadt: Kassel! Provinzluft, Dombrand, und selbst in Klaa Paris ists mit dem Feiern & freien Reden besser bestellt. Der Frankfurter Frieden zwischen Mariannen und Siegfrieden brachte übern Steinweg „Guldenundfranken“ reparariert zurück. Die Bürger kneteten n neues Opernhaus (eins zum in den Schatten stellen), n palmen Garten, n furten Zoo (alls Privatmonee!) draus. Straßen bahnen und Hauptbahnen hofen (größter!!) und noch n Star poppt hinter+landet: Phiiiiiiiilipp Reis (179 anschlüssern ins Urtelefonnetz). Alt+neu=innen Stadt: Gründerzeit, es villenviertelt und straßt. Radialchausseen für flüchtige Bürger, Alleenring für Unentschlossne. Die Gegend um die Galgenwarte wird mit ein bisschen Englisch zum gall-us-Viertel und gleisch nebbedra: gudde Leudt. Von 90- auf 400-1000 in 3×10 Jahren, Börse, Festhalle, Osthafen, und (das, wasses sonst grad europäisch schon seit Jahrhunderteehn giebt) letzt Licht auch ne Universitäht (1912).

 

stützportale unterhalten sich

Weimar in Frankfurt: Gehwerk schaften höher hinaus (9 Stockwerker, 31 Meter), 1. Hochhaus am Platz, und flächig könnse auch: Großmarkthalle, Römerstadt. autostrada wird landmännisch übersetzt in HaFraBa und Kraft wagen schnellverkehrt von Hamburg über F nach Basel, oh Ludwig und dein Rhein-Mainischer Städtekranz (n bisschen zu früh fürs Gebiet, aber Hut ab!, da denkt dann doch mal einer übern Stadtrand hinaus). Bald danach wird der Landmann mit viel Heil! vom Nazi-Krebs abgelöst und Der braunt auf und macht in Jerusalem am Maa auf Deutsches Handwerk. Zeitgenössische Kunst weg! Expressionisten weg! Synagogen weg! Sinti und Roma weg! 30000 Juden wegwegwegallesweg! (140 „hats“ noch nachm Krieg.). Dafür dann aber Bunker, na klar (die wummern heut geschüttelt von Mukkern eher von innen als von außen) und Gestapo, na sicher! (Lindenstraße … wie geht die Melodei?!) und dann machen die Brittttttten alles plattttttt und die Amis quarterbacken ihr ÄitschKiu ins Steinmeer an der Friedensbrücke.
Nachm Krieg (in der Sprache tun immer alle so, als hätts danach keinen mehr gegeben) wirds modern: Zwar das olle Straßensystem (sind halt doch flachgelegte Zäune), aber viel neues Richtfesten. Auch den Geist der Paulskirche gräbt ma wieder ma aus (Jahr hundert!) und wills so mit Tamtam, Budenzauber und Stadtstaatallüren zum Haupt der Westteuschen bringen. Doch dann bonnts und der Bürger meistert wern wer halt ne metro Pole in seinen Bart. Also auf Punktsiege klotzen: Banken hausen, Verkehr knoten, Auto messen, Wolken kratzen, Air porten, Trommeln werben, Bankfurt börsen und main Hätte hat statt Bulle jetzt n Goldnes Buch. Alles soweit Fakt tot um und paletti. Sei noch erwähnt: Haus Gallus (genau: im Galgenfeld) schlagzeilt mit Auschwitz-Prozess, Bürger=gemein schafft dann aber auch mal Fascho-Kongress (mal ein bisschen jüngre Geschichte: 1 Toter durch Wasserwerfer). Auch ne Menge Brennendes: Kaufhäuser, Barrikaden und les étudiantes (innerlich), dabei pennt die Mainstadt nicht und macht in Kultur (es mäzent, bürgert und DIE initiativen och noch) und zwar so: Museen ufern, Buchhandel preist Frieden, die Neue (es frankfurder Schmieredobbel) schauspielt auch, die Alte opert nur, Tiger im Palast, Theater am Turm, Techno, Kult. Großer Fußball (Finanzplatz: da wird immer auf „zu Null“ gespielt (die Eintracht iss eher was für Träumer)) und Banditen (Krimihauptstadt: immerhin).

 

Allmählich tauche ich ins Schwubbern um die rote Sandsteintonne. Vierspurig schlurfts rechts die Berliner fahrbar Untersetzte abwärts, (gut Leut spuckt sie nachm Schauspiel wieder aus), auf dem Pflaster am Nordufer des Braubach schirmts, imbissts, schiebts Touristen und Daheimisten zwischen Amtschimmel, platziger Römerbergrepro und Kauf=Rauschzeile hin&her. Statt der einstigen Altmainarme adern Straßen, unweit des Werders, der dem Dom dann buckeln sollte. Ich schließ mein Rad ab und lehne mich ans fassige Außenrund einer ausgemacht weltlichen Messstätte.

 

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